Rudolf
22.03.2012, 14:53
Bei der Stereo-Wiedergabe spielen zwei Räume eine Rolle: der aufgenommene Raum und der Raum, in dem wiedergegeben wird. Im Folgenden möchte ich nur vom Wiedergaberaum reden. Vor allem geht es mir um die Frage, wo wir in unseren Räumen eigentlich die Musik wahrnehmen.
Voraussetzung ist natürlich, dass sich die Musik überhaupt von den Lautsprechern löst – was hoffentlich der Fall ist. Dann spielt bei dem einen die Musik teilweise sogar vor den Lautsprechern und beim anderen evtl. mehrere Meter dahinter. Natürlich gibt es auch innerhalb der jeweiligen Aufnahme eine gewisse Tiefe, aber von der soll hier – siehe oben – nicht die Rede sein.
In besonders "audiophil" verseuchten Foren liest man schon mal, dass sich diese „Entfernung“ von der Musik je nach Verstärker oder Lautsprecherkabel ändern kann. Neuere Untersuchungen aus den Niederlanden wie „Auditory distance perception in rooms“
http://www.mendeley.com/research/auditory-distance-perception-in-rooms/ und MODELING AUDITORY DISTANCE PERCEPTION IN ROOMS http://webistem.com/acoustics2008/acoustics2008/cd1/data/fa2002-sevilla/forumacusticum/archivos/psy03003.pdf (http://webistem.com/acoustics2008/acoustics2008/cd1/data/fa2002-sevilla/forumacusticum/archivos/psy03003.pdf) zeigen aber, dass die Unterschiede praktisch vollständig durch das Mengenverhältnis von Direktschall zu Reflexionen im Raum erklärt werden können, wenn unser Gehör gleichzeitig per ITD (Interaural Time Difference) die Richtung des Direktschalls und der Reflexionen bewerten kann.
Ohne jetzt im Einzelnen auf die genannten Papiere einzugehen, werden ein paar Dinge klar, die jeder in seiner Praxis nachvollziehen kann:
Je direkter ein Lautsprecher strahlt, desto näher am Hörer beginnt die Wiedergabeebene. Hörner und bündelnde line arrays „springen einem ins Gesicht“. Die Wiedergabeebene von Rundstrahlern und Dipolen tritt dagegen hinter die eigentliche Schallquelle zurück. Das ist auch der Grund, weshalb sich der Schall von diesen Lautsprechertypen besonders leicht zu „lösen“ scheint. Übliche Direktstrahler liegen irgendwo dazwischen.
Diese Unterschiede machen sich aber nur in Räumen bemerkbar. Im schalltoten Raum klingt alles aus der gleichen Entfernung. Die wahrgenommene Distanz zur Musik steigt dabei (ziemlich linear) mit der Anzahl der reflektierenden Oberflächen. Wobei die Reflexionen, die aus dem vorderen Halbraum kommen, naturgemäß höher gewertet werden als die aus dem hinteren. Was wiederum heißt: Je mehr die frühen Reflexionen von Front- und Seitenwänden sowie von Decke und Boden absorbiert werden, desto näher tritt das Klangbild an den Hörer heran.
Mich würde interessieren, wer sich an solche Veränderung im Zusammenhang mit seinem „Raumtuning“ (oder sogar beim Umzug mit denselben Lautsprechern in einen anderen Raum) noch erinnern kann und wer dazu vielleicht sogar ein Maß nennen kann.
Rudolf
Voraussetzung ist natürlich, dass sich die Musik überhaupt von den Lautsprechern löst – was hoffentlich der Fall ist. Dann spielt bei dem einen die Musik teilweise sogar vor den Lautsprechern und beim anderen evtl. mehrere Meter dahinter. Natürlich gibt es auch innerhalb der jeweiligen Aufnahme eine gewisse Tiefe, aber von der soll hier – siehe oben – nicht die Rede sein.
In besonders "audiophil" verseuchten Foren liest man schon mal, dass sich diese „Entfernung“ von der Musik je nach Verstärker oder Lautsprecherkabel ändern kann. Neuere Untersuchungen aus den Niederlanden wie „Auditory distance perception in rooms“
http://www.mendeley.com/research/auditory-distance-perception-in-rooms/ und MODELING AUDITORY DISTANCE PERCEPTION IN ROOMS http://webistem.com/acoustics2008/acoustics2008/cd1/data/fa2002-sevilla/forumacusticum/archivos/psy03003.pdf (http://webistem.com/acoustics2008/acoustics2008/cd1/data/fa2002-sevilla/forumacusticum/archivos/psy03003.pdf) zeigen aber, dass die Unterschiede praktisch vollständig durch das Mengenverhältnis von Direktschall zu Reflexionen im Raum erklärt werden können, wenn unser Gehör gleichzeitig per ITD (Interaural Time Difference) die Richtung des Direktschalls und der Reflexionen bewerten kann.
Ohne jetzt im Einzelnen auf die genannten Papiere einzugehen, werden ein paar Dinge klar, die jeder in seiner Praxis nachvollziehen kann:
Je direkter ein Lautsprecher strahlt, desto näher am Hörer beginnt die Wiedergabeebene. Hörner und bündelnde line arrays „springen einem ins Gesicht“. Die Wiedergabeebene von Rundstrahlern und Dipolen tritt dagegen hinter die eigentliche Schallquelle zurück. Das ist auch der Grund, weshalb sich der Schall von diesen Lautsprechertypen besonders leicht zu „lösen“ scheint. Übliche Direktstrahler liegen irgendwo dazwischen.
Diese Unterschiede machen sich aber nur in Räumen bemerkbar. Im schalltoten Raum klingt alles aus der gleichen Entfernung. Die wahrgenommene Distanz zur Musik steigt dabei (ziemlich linear) mit der Anzahl der reflektierenden Oberflächen. Wobei die Reflexionen, die aus dem vorderen Halbraum kommen, naturgemäß höher gewertet werden als die aus dem hinteren. Was wiederum heißt: Je mehr die frühen Reflexionen von Front- und Seitenwänden sowie von Decke und Boden absorbiert werden, desto näher tritt das Klangbild an den Hörer heran.
Mich würde interessieren, wer sich an solche Veränderung im Zusammenhang mit seinem „Raumtuning“ (oder sogar beim Umzug mit denselben Lautsprechern in einen anderen Raum) noch erinnern kann und wer dazu vielleicht sogar ein Maß nennen kann.
Rudolf