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Triode mit der PL504/6N1P/ECC83
#1
Hallo,

Nachdem ich Euch die kleine Triode vorgestellt habe, möchte ich Euch nun meine „dicke“ Triode zeigen. Naja, eigentlich ist es ja keine 100% echte Triode, sondern eine Pentode in Triodenschaltung.
Vorgeschichte: Wie so oft fing es damit an, dass ich in der „Bunten Sammelbox die jeder Röhrenbastler hat“ 

   

diese PL500/504 Röhren fand. 

   

Die will ja auch niemand, PL509/519 finden ja noch Anklang, aber die „kleinen“ aus den Schwarz/Weiß-Fernsehern?
Da sollte sich doch was draus machen lassen, allein optisch mag ich diese Magnovalröhren sehr. Google ... es gibt einige kommerzielle Produkte wie Braun CSV60 oder Saba Telewatt VS71. Beide Gegentakt, Pentodenschaltung. Für die Vorgängerin, die EL36 gibt es sogar eine Datenblattkonfiguration in Gegentakt B, dazu gibt es wohl sogar eine gewisse Fangemeinde.

Ich wollte aber Eintakt. Also habe ich mal etwas gerechnet, Datenblätten gelesen, Arbeitsgeraden eingezeichnet. Dann habe ich mir bei Jan Wüstens Übertrager bestellt, ein Paar mit Ra= 2,5 oder 3 k und ein paar 4 und 5,2 k.
Dann ging es los, wie so oft mit meinem Testboard, 

   
   

ich habe wirklich viel durchprobiert, Pentode, Triode, hoher Anodenstrom, niedriger Anodenstrom, verschiedene Ra, max. Spannung immer 250 Volt. Alles war irgendwie nicht das gelbe vom Ei. Dann fand ich im Internet eine Schaltung wo man die PL504 mit 340 Volt laufen lies, eigentlich oberhalb der zulässigen Datenblattwerte. Auch die o.a. kommerziellen Verstärker laufen mit mehr als 250 Volt. Also habe ich einen Bekannten, ein Ingenieur „alter Schule“ angeschrieben und gefragt. Er meinte das wäre kein Problem, die PL500/504 kann im Peak ja „richtig Spannung“ und als Triode darf das Schirmgitter auch einiges mehr, da es zwischen Anode und Schirmgitter kein Potential gibt. Die PL500/504 hat übrigens sehr schöne Triodenkurven und lässt sich schön weit Aussteuern, hat somit einen für eine Triode recht guten Wirkungsgrad.
Irgendwann fand ich dann einen guten Arbeitspunkt mit Ia = 320 V und Ia = 53 mA und Ra = 3,0 k.
Das ist eine schonende Einstellung da ginge noch einiges mehr. Die PL504 läuft mit einer Anodenverlustleistung von ~ 17 Watt, laut Datenblatt wären bis zu 24 Watt möglich. Man muss aber die Röhren nicht kaputtquälen. Auch mit dieser schonenden Einstellung reicht es für ca. 7,5 Watt sinus als Ausgangsleistung.

Die Vorstufe musste auf jeden Fall zweistufig sein, so möchte die PL504 ja ca. 55 Volt am Steuergitter sehen. Ich entschied mich für eine Kombination aus ECC83 und 6N1P. Hier hatte ich recht schnell eine gute Einstellung für die 6N1P gefunden, die ECC83 läuft mit den Datenblattwerten.
Und ich entschied mich für fixed Bias, da ich keine ~ 55 Volt an einem Kathodenwiderstand verbraten wollte.

Hier der Schaltplan, sehr übersichtlich.
     
 
In Kürze mehr.
 
Viele Grüße
Frank
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#2
Hi,

hast du die Kennlinien für die 504 als Triode selbst gemessen?

Man findet das hier
https://frank.pocnet.net/sheets/010/p/PL504.pdf
aber da ist bei 250 Volt Schluss. Und die Gitter werden da hinten auch vergleichsweise eng. Naja - wegen der linearität und so...

Hast du mal einen Arbeitspunkt bei 150 bis 200 Volt probiert?
Beste Grüße,
Andreas

"Don't you think if I were wrong I'd know it" - Dr. Sheldon Lee Cooper

Das ist Hobby - und kein Spaß!!!
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#3
Hallo Andreas,

ich habe leider keinen Tracer, habe jedoch die Kurven mit einfachen Mitteln punktweise aufgenommen.
Arbeitspunkte mit "niedriger Spannung" habe ich auch probiert. Das funktioniert bei einigen Trioden die hohe Ströme können ganz gut, jedoch nicht bei der PL504. Um einigermaßen Leistung zu bekommen muss man mit einem recht niedrigen Ra arbeiten. Dann wird die Arbeitsgerade sehr steil und das Ganze sehr schnell auch unlinear. Ich habe die Erafhrung gemacht, dass bei vielen Trioden ein höherer Ra (flache Arbeitsgerade) und eine hohe Spannung mehr Linearität bringt, da man man so den Bereich "in dem die Kurven eng werden" stärker meidet. Man kann ja auch den Wirkungsgrad nicht ganz außer acht lassen. Ich hoffe ich habe das verständlich erklärt.
Natürlich hat der Verstärker auch ein gewisses Maß an Gegenkopplung, das braucht er.

Viele Grüße
Frank
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#4
Hallo,

so, weiter gehts:

Als die Schaltung stand, musste ich mir Gedanken um das Netzteil und das Gehäuse machen.
Den Ringkerntrafo habe ich bei Jan Wüstens wickeln lassen, er hat für die Anodenspannung 275 Volt, für die Heizung der PL504 27 Volt, für die ECC83 und 6N1P 6,3 Volt, sowie für die Gittervorspannung der PL504 55 Volt. Das Netzteil ist mit doppelter Siebung, also C-R-C-R-C aufgebaut. Der Trafo ist in einem Alubecher vergossen, sehr gute Qualität.

   

Hier gleich eine Warnung, beim Einschalten mit kalten Röhren liegen am Netzteil und somit auch an den Anodenkappen im Leerlauf gerne 420-430 Volt an. Das sind lebensgefährliche Spannungen. Für eine Berührungsschutz ist unbedingt zu sorgen! Auch im Betrieb sind da rund 330 Volt am werken!

Das Gehäuse stammt vom Modushop.
Wie immer habe zuerst den Innenaufbau 1:1 auf Papier skizziert.

   
Dann folgte der mechanische Teil mit Bohren und dem Zusammenbau.
   
 
Grundaufbau mit verlegten Heizleitungen.
     
 
Ich verwende gerne diese kleinen Lötleistenplatinen
     
 
First Run noch mit externer Anodenspannung
     
 
So sieht der fertige Aufbau aus.
   
 
 
Im nächsten Teil würde ich Euch den fertigen Verstärker noch ein paar technische Details und Ausblicke zeigen wollen.

Viele Grüße
Frank
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#5
Schön, wie du die Lötleisten um die Sockel baust - kann man so machen
Netzteil mit Drossel?
Beste Grüße,
Andreas

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#6
(10.01.2026, 17:38)a.j.h. schrieb: Schön, wie du die Lötleisten um die Sockel baust - kann man so machen
Netzteil mit Drossel?

Hallo,

ich habe noch nie eine Drossel verwendet, meistens aus Platzgründen. Man muss die Drossel auch geometrisch passend verbauen um magnetische Einstreuungen vom Netztrafo zu vermeiden. Das schafft zusätzliche Platzprobleme. Und man darf die Kosten nicht vergessen.
Mit ist klar, das eine C-R-C-R-C mehr Leistung "verbrät", ich bin jedoch bis jetzt immer gut gefahren.

Viele Grüße
Frank




Hallo,
 
Nachdem der First Run geglückt war habe ich den Verstärker komplett mit Netzteil aufgebaut und dann einen Probelauf gemacht der ebenfalls erfolgreich war.
Letztendlich ging es dann an das Einmessen. Mit Hilfe des Funktionsgenerator und des Oszis habe ich dann die Gegenkopplung eingemessen, so habe ich vom Frequenzgang und der Empfindlichkeit her einen prima Verstärker erhalten. Ich empfehle immer einen kleinen Kondensator parallel zum Gegenkopplungwiderstand. Dieser dämpft den Anstieg des Frequenzgangs bei 20 – 25 kHz ab. Dieser Anstieg ist röhrentypisch. Außerdem verbessert der Kondensator das Rechteckverhalten.
 
Der Verstärker arbeitet mit fixed Bias. Das bedeutet, das der Anodenstrom der Endröhren eingestellt werden muss. Dazu verwende ich den 10 Ohm Widerstand an der Kathode der PL504. Hier wird der Spannungsabfall gemessen.
Da ich nur gebrauchte, aber ausgemessene und selektierte Röhren verwende, ist das Einstellen nicht sehr aufwändig, da die Röhren nicht mehr driften. Trotzdem sollte man sich etwas Zeit lassen, der Verstärker sollte ordentlich warmgelaufen sein.

Zum Thema Röhren noch folgenden Hinweis:
Ich verwende die 6N1P, eine meines Erachtens unterbewertete Röhre die in vielen Verstärkern eine gute Figur macht, wenn sie richtig eingesetzt wird. Man sollte hier auf gute Qualität achten, aus alten russischen Beständen („EV“ Version). Wichtig, diese Röhren brauchen eine Einbrennzeit von mind. 5 Stunden. Man könnte hier aber auch eine ECC82 verwenden, dazu müsste man zwei Widerstände ändern. Bei Bedarf gerne nachfragen.

An der ECC83 geht kein Weg vorbei, die braucht es um genügend Verstärkungsreserven zu haben. 

Man könnte anstatt der PL500/504 natürlich auch die EL500/504 verwenden, dann hat man keine zwei verschiedene Heizspannungen. Die „EL“-Versionen sind je nach Bezugsquelle etwas teurer, das macht aber nicht wirklich viel aus. Allerdings ist die Auswahl nicht so groß, die „PL“ Versionen gibt es gebraucht immer noch als „Schüttgut“. Ich hatte jede Menge davon, daher habe ich mich für die „PL“ entschieden.
Grundsätzlich arbeitet der Verstärker mit der PL504. Die PL500 ist von den Kennlinien her identisch und könnte auch verwendet werden.
Aber:
Die PL500 ist für eine mittlere Anodenverlustleitung von 13 Watt, einer maximalen von 17 Watt ausgelegt.
Die PL504 ist für eine mittlere Anodenverlustleitung von 17 Watt, einer maximalen von 24 Watt ausgelegt.
 
Der Verstärker läuft momentan mit 17 Watt Anodenverlustleitung, man könnte also auch eine PL500 verwenden, die allerdings am Limit laufen würden. Um sie dauerhaft zu verwenden, wäre eine Verringerung des Anodenstroms und daher auch eine Verringerung der Anodenverlustleitung auf ~ 15 Watt ratsam.
 
Abschließend noch kurz zum Klang, der „triodentypisch“, sehr rund und warm, jedoch nie unpräzise oder verwaschen. Der Bass ist kräftig und kontrolliert.

Hier noch ein paar Bilder:
   
   
   

Viele Grüße
Frank
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#7
Die 6n1p habe ich auch schon sehr oft genommen. Sehr linear und rauscharm. VIelleicht läuft sie unter'm Radar, weil es kein direktes westliches Equivalent gibt?! Die ecc88 ist zwar nah dran, aber eben nicht so ganz. Das ist dann eher die 6n23p.

Als ecc83 nehme ich auch sehr gerne die 6n2p.
Beste Grüße,
Andreas

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