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Hallo Leute,
der 03. Oktober naht und ich finde es ist an der Zeit, meine erste Eigenentwicklung vorzustellen:yahoo:
In diesem ersten Teil geht es weniger um die Simulation, Messfiles oder Bauzeichnungen, sondern um die Zielfindung und um den steinigen Weg der Konzeption. Wie gesagt, es ist meine erste selbstentwickelte Box und ich bin gerade mächtig stolz auf das, was da im hintergrund dudelt.
Zielsetzung war es, eine Einsteigerbox ausschließlich aus Conrad-Chassis zu entwickeln, so dass sich der Selbstbauanfänger spontan, ohne in die "Szene" abtauchen zu müssen, alles aus dem Sortiment des großen deutschlandweit vertretenen C bestellen bzw. kaufen kann - ausser natürlich Holz und Lack. Ziel war es nicht die tollste, beste und präziseste High-End-Box zu bauen.
Der Zusammenbau sollte ausschließlich mit haushaltstypischen Gerätschaften, wie Stichsäge, Schwingschleifer, Bohrmaschine, Akkuschrauber etc. geschehen. Eine Oberfräse war verboten.
Also eine wirkliche Beginner-Box, die ohne große (Vor-)kenntnisse zusammen zu bauen sein sollte. Daher auch der Name "Conrad Beginner" - "Einstiegsdroge" fand ich irgendwie politisch nicht so korrekt :o.
Als Einsteiger stellte ich mir den spontan interessierten Selbstbaunewbie vor, der bei einem Conrad Besuch feststellt, dass man Boxen auch selber bauen kann und dies nun ausprobieren möchte. Ich gab ihm spontan den Namen "Conni".
Beim Gehäuse war ich mir unschlüssig. Entweder Bassreflex oder TQWT (ich bin von der Needle nach wie vor fasziniert - und jeder, der uns besuchen kommt und sie zum ersten mal hört, ist es auch). Laut Parameter sollte beides möglich sein. Angemeldet habe ich die Beginner eigentlich als BR-Box. Geworden ist es aber eine TQWT, soviel sei vorweggenommen.
Ich selbst besitze weder Messequipment, noch habe ich irgendwelche Erfahrungen damit, eine Box von Grund auf zu entwickeln. Den ein oder anderen Bausatz habe ich zwar schon zusammengestöpselt, aber eine komplette Neuentwicklung war für mich Neuland. Naja, man wächst mit den Aufgaben. :o Als Simulationsprogramm habe ich Boxsim benutzt. Glaubt man den Threads auf der Visaton-Seite - und ich tue das - kommt die Simu von Visatonchassis (und dazu gehören die Conradchassis) verdammt nah an die Realität ran.
Nach einigem Hin und Her mit Boxsim fiel die Entscheidung auf den LMC 13 HE in der 8 Ohm Version und die DTC 80 SC. Vom BMT sollten sich zwei Exemplare in D'Appolito-Anordnung um Bass und Mitten kümmern. Einer allein schien mir etwas wenig Pegel zu machen. Boxsim riet zu einem BR-Gehäuse mit 25 Litern pro 13er und einer Abstimmfrequenz von knapp 43 Hz. Die Simu sah bei einer Trennfrequenz von 2500 Hz bis 3000 HZ einigermaßen vielversprechend aus.
Zu meinem Entsetzen musste ich dann aber feststellen, dass man bei Conrad zwar alles bekommt, nur keine Spulen.:eek: :mad:Na gut, dachte ich mir, dann bestellst Du Dir die Dinger halt bei Visaton. Ist zwar doof, aber was nicht geht, geht nicht. Ich hörte den spntaninteressierten Selbstbaunewbie Conni, der auf meiner Schulter sass und mir beim Planen und Experimentieren zusah mächtig schimpfen. Auf der Visatonseite bin ich dann eher zufällig über die Fertigweiche 2/70 NG gestolpert, die in der 8 Ohm Version nahezu meinem eigenen Weichenversuch entsprach. Ich habe dann die Werte in meine Simu gepackt und sie passte. Meine Rettung :yahoo:, da diese Weiche im Sortiment von Conrad ist. :ok:Conni herzte und umarmte mich und war wieder fröhlich und beruhigt. Nun konnte er wieder als spontan interessierte Selbstbaueinsteiger durch die Regallandschaft von Conrad stapfen und seinen blauen Einkaufskorb mit folgender Einkausfsliste pro Box füllen:
- 2 x LMC 13/ 8 zu je 16,95 EUR
- 1 x DTC 80 SC/8 zu 9,95 EUR
- 1 x HW 2/70 NG zu 19,95 EUR
- 1 x 70 mm BR-Rohr zu 4,05 EUR (kein Witz :eek
- 1 Anschlussterminal zu 7,50 EUR (leider auch kein Witz hock
- 2 Rolle Dämmung zu 4,95 EUR
- 1 3,3 Ohm Widerstand zur Absenkung des HT zu 1,95 EUR
Insgesamt macht das zusammen - trotz des ein oder anderen überteuerten Artikels - attraktive knappe 90 EUR pro Box. Gar nicht mal schlecht - fanden Conni und ich. :prost:
Diese erste Grundidee habe ich dann im Visaton-Forum gepostet. Stellvertretend seien hier die User Niwo und Jama genannt, die mir einerseits Mut zusprachen, mich anderseits mit ihren Anmerkungen nochmal mein Konzept überdenken ließen. Jama verdanke ich die Idee einer Impedanzlinearisierung. Niwo riet mir, die Box zu verkleinern und auf 55 HZ abzustimmen, da dies dem Pegel und dem Frequenzgang zu gute käme. Beide Ratschläge liessen sich in Boxsim nachweisen und wurden daher übernommen.
Die andere Idee von Niwo verwarf ich jedoch nach reiflicher Überlegung. Er meinte, man könne beiden TMTs unter der Kalotte gruppieren, ähnlich wie bei der Visaton Clou oder der Alto Line. Nach einigen Tagen Recherche verwarf ich diesen Vorschlag aber wieder, da in einer der beiden "Fachzeitschriften" die Clou und ihr Messproblem sehr genau erläutert wurden. Da die Beginner in unserem Dachstudio bei einer Hörentfernung von 1,5 bis 2 Meter stehen soll, meldete sich mein Bauch mit einem leichten Grummeln ob der unterschedlichen Laufzeit der TTs. Ausserdem hatte ich keine Lust auf eine Neuentwicklung der Weiche, schließlich musste ich ja auf Conni Rücksicht nehmen. Conni fand meine Lustlosigkeit und Rücksichtsnahme übrigens super. Er kann weiterhin alle Teile bei Conrad ordern bzw. kaufen.
Die kleine Exkursion in die Gehäusekunde hatte jedoch auch zwei gute Seiten.
1: Beim Stöbern im Internet stieß ich eher zufällig auf einen Kurztest der DTC 80, in dem der starke Abfall der Kalotte bemängelt wurde. Also wieder Boxsim anwerfen und nach einer Alternative suchen. Nach einigem Probieren stellte sich heraus, dass Conrad mit der DTC 110 eine gut funktionierende Alternative im Angebot hat. Einziger Wermutstropfen, die Kalotte ist 3,00 EUR teurer als die DTC 80 SC. Naja, mein spontan interessierte Selbstbaunewbie Conni wird es verschmerzen.
2: Der QTS von 0,65 gab mir nach einigen Nebenrecherchen doch zu denken und ließ mich an einer Bassreflexbox zweifeln. Meine Gedanken gingen immer mehr in Richtung TQWT. Die TQWT-Artikel auf der Seite von Hifi-Selbstbau wurden zur allabendtlichen Lektüre. Durch einen User aus dem Hifi-Forum kam ich an das Excel-Tool von Bastel-Wastel zur Berechnung von TQWTs, entschied mich dann aber für die Faustformel von Hifi-Selbstbau. Beiden sei hiermit gedankt.
Nachdem nun diese Entscheidung gefallen war, stellte sich die Frage, wie ich denn eine TQWT in Boxsim simulieren könnte. Die Suche im Visaton-Forum brachte Erstaunliches zu Tage. In einem Thread zu einer TQWT mit W170S und SC10N schrieb der Entwickler von Boxsim UweG, dass sich TQWTs durchaus mit Boxsim simulieren lassen. Zitat: "aber das was phaeton da gemalt hat ist keine TQWT, sondern eine Baßreflexbox mit Versteifungsbrett, deshalb läßt sie sich so wunderbar als Baßreflexbox simulieren." :w00t: Viel anders sollte meine auch nicht werden. Nur dass ich anstatt des Kanals ein Bassreflexrohr verwenden wollte, wie es Hifi-Selbstbau auf der Hompage beschreibt. Geht doch! :dance:
Nee, geht nicht! Bei allen im Netz gefundenen Versionen wurde jeweils immer nur ein TT verbaut. Ich aber habe zwei. Hier half mir mein vorletzter Bausatz. Eine Transmissionline aus der Werkstatt eines Herrn W. aus B., den meisten Selbstbauern bekannt als Udo. Schrieb der nicht irgendwas von 1/3 und 1/5 bei zwei TTs in einer TML auf seiner HP (Hilfe! akuter Fall von AküFi)? Richtig!! In seinen Grundlagen fand ich genau diese Anordnung wieder und irgendwo fand ich auch, dass eine TQWT vom Prinzip her eine sich erweiternde TML sei (naja, zumindest so ungefähr :o). Und ausserdem ist das ja noch UweG: "aber das was phaeton da gemalt hat ist keine TQWT, sondern eine Baßreflexbox mit Versteifungsbrett" Na bitte! Und wie das geht! :dance:Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. 
Das Konzept stand: Eine TQWT, abgestimmt auf knapp 50 HZ in D'Appolito Optik.
Im zweiten Teil gibt es dann Beschreibungen und Bilder von den Chassis, der Simulation, der weiche, dem Aufbau des Gehäuses und dem fertigen Pressspanquader.
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