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Moin zusammen,
ich hab' da mal ne Frage: Woran erkenne ich ein gutes TT/MT-Chassis oder auch wie viele nichtlineare Verzerrungen und IMD sind ok?
Hintergrund: Für die meisten Chassis sind TSPs und Verzerrungsmessungen verfügbar. Natürlich sind weniger Verzerrungen immer vorzuziehen. Aber ab welchem Verzerrungsniveau wird's denn kritisch?
Gibt es gute Untersuchungen zum Thema nichtlineare Verzerrungen, IMD und Hörbarkeit?
Was ich bisher zum Thema gefunden habe:
1. Hifi Selbstbau: [URL="https://www.hifi-selbstbau.de/index.php?option=com_content&view=article&id=239"]Klirrfaktor - wie viel ist zu viel?
[/URL]Hier zur Hörbarkeit von nichtlinearen Verzerrungen. Im Artikel ist folgende Abbildung zu finden, die ds ergebnis zusammenfasst:
![[Bild: attachment.php?attachmentid=46909&d=1546267557]](https://www.diy-hifi-forum.eu/forum/attachment.php?attachmentid=46909&d=1546267557)
Quelle: [URL="https://www.hifi-selbstbau.de/index.php?option=com_content&view=article&id=239"]https://www.hifi-selbstbau.de/index.php?option=com_content&view=article&id=239
[/URL](Die Kollegen von Hifi Selbstbau sind hier ja auch ab und an unterwegs, bitte melden, falls die Verwendung der Abbildung hier nicht ok sein sollte).
Lieder nur für K2 öffentlich - trotzdem ist dieser Artikel ist schon sehr hilfreich für mich.
Kennt ihr noch weitere, gute Untersuchungen zur Hörbarkeit von Verzerrungen bei bestimmten Lautstärken?
2. Kippel: Loudspeaker Nonlinearities
3. Klippel: Loudspeaker Nonlinearities – Causes, Parameters, Symptoms
Hier arbeite ich mich gerade durch. Der Meister meint:
Zitat:Reliable models have been developed for displacement and current varying nonlinearities in the motor and suspension system. The nonlinear parameters Bl(x), Le(x), Kms(x) and Le(i) can be measured dynamically on loudspeakers, headphones, micro-speakers and other transducers, with and without enclosure.
Allerdings finde ich Klippel Daten zu angebotenen Chassis sher selten.
Immerhin lerne ich, dass Kurzschlussringe an Chassis zur Vermeidung nichtlinearer Verzerrungen sinnvoll sind.
4. Goossens Saller: Neue Messmethode zur Beurteilung der nichtlinearen Verzerrungen von aktiven Lautsprechern
Den Artikel fand ich spannend, weil er 3 Aktive Lautsprecher vergleicht, bei der Messung nichtlinearer Verzerrungen kaum Unterschiede feststellt, umsomehr allerdings bei IMD-Messungen:
Zitat:An drei aktiven Lautsprechern unterschiedlicher Größe und Qualität wurden Untersuchungen zu deren nichtlinearen Verzerrungen durchgeführt. Es zeigte sich, dass zur Kennzeichnung des nichtlinearen Verhaltens von Aktivlautsprechern die Intermodulationsverzerrungen unbedingt berücksichtigt werden müssen. Anhand der üblicherweise angegebenen harmonischen Verzerrungen (Klirrfaktoren) konnten die drei Lautsprecher nicht voneinander abgegrenzt werden.
5. Forum - Nailhead: IMD, HD, Xmax und Kippel - Vergleich und Bewertung von 3 Chassis
Zitat:Ich möchte euch hier mal anhand eines Vergleichs von drei 20cm Tieftönern aufzeigen, dass es durchaus Sinn macht IMD Verzerrungen zu messen und warum Klippel-Daten ebenfalls sehr wichtig sind und nun mal Xmax nicht gleich Xmax ist.
[SIZE=3]Den Thread finde ich ebenfalls hilfreich. Siehe z.B. Beitrag #6.
[/SIZE]Zitat:THD/Klirrfaktor Messungen belasteten den Lautsprecher immer nur mit einem Ton gleichzeitig. Leider ist das bei Musik aber nun mal völlig anders – da kommen viele Töne gleichzeitig. In dem Anwendungsfall hier, also lautes Zwei-Wege-System, kommt es also vor, dass ein Töner Bässe und Mittelton gleichzeitig wieder geben muss. So ein Fall kann man zum Beispiel mit einer Zweiton-Messung versuchen abzubilden: ein tiefer Ton sorgt für Auslenkung (z.B: von einer Bassdrum oder von einem Bass im Allgemeinen) und ein zweiter Ton für die Mitteltonwiedergabe. Wenn dabei der erste Ton gleich bleibt und der zweite verändert wird, reden wir von einer voice-sweep Messung.
Und genau die sehen wir jetzt hier:
- Ein 40 Hz Ton mit 10W (8.94V) sorgt für Auslenkung während ein zweiter Ton von 400-2000Hz mit 1W (2.83V) verändert wird
- Die Auslenkung schwankt zwischen 1.6mm Monacor, 2.4mm Visaton und 3mm Faital
- Harmonische Verzerrungen werden ausgewertet
- Aber entsprechend auch Intermodulationsverzerrungen – die erst auftreten, sobald mehr als ein Ton gleichzeitig wieder gegeben wird
Die Ergebnisse sehen dann so aus:
Auslenkung in dem Gehäuse bei 8.94V (Monacor: schwarz, Faital: rot Visaton: grün)
![[Bild: picture.php?albumid=1673&pictureid=29393]](http://www.diy-hifi-forum.eu/forum/picture.php?albumid=1673&pictureid=29393)
Intermodulationsverzerrungen:
Monacor:
![[Bild: picture.php?albumid=1673&pictureid=29395]](http://www.diy-hifi-forum.eu/forum/picture.php?albumid=1673&pictureid=29395)
Visaton:
![[Bild: picture.php?albumid=1673&pictureid=29394]](http://www.diy-hifi-forum.eu/forum/picture.php?albumid=1673&pictureid=29394)
Faital Pro:
![[Bild: picture.php?albumid=1673&pictureid=29396]](http://www.diy-hifi-forum.eu/forum/picture.php?albumid=1673&pictureid=29396)
Und siehe da, plötzlich macht der Faital Pro viel viel weniger Verzerrungen als die andern beiden - weniger als die Hälfte. Warum? Zum einen hat er einen Demodulationsring eingebaut, der L(x) lineariserit und zum anderen einfach eine gut abgestimmte Motor- und Federsteifigkeit. Weitere Details gerne zu einem späteren Zeitpunkt, zum Beispiel die entsprechenden BL(x), Cms(x) und L(x) Verläufe einer Klippel LSI Messung.
Zitat von JFA
Dafür braucht man nicht unbedingt Klippel.
Nein und das ist ja das Gute daran 
Mir geht es darum, die Wichtigkeit von IMD-Messungen zu zeigen und das es nun mal eine Erklärung dafür gibt, warum manche Lautsprecher bei höheren Pegeln besser klingen als andere- das geht nun mal mit Einbeziehen von Klippel am besten.
Aber natürlich kann jeder solche Messungen selbst durchführen, z.B. mit Arta und Steps (mit Umwegen) oder mit deiner Software - und das sollten wir viel öfter tun! Darum geht es mir hier 
6. Forum - JFA: Aus der Diskussion um Görlich Chassis
Hier der Beitrag:
Zitat:Die Hörbarkeit von Verzerrungen sind dafür an anderer Stelle schon hinreichend untersucht worden. Ergebnis:
a) K2 und K3 sind kaum hörbar
b) höhere Klirrkomponenten werden zunehmend hörbarer
c) IMD ist äußerst leicht hörbar, besonders die nach unten modulierten Komponenten
a) bekommt man mit Sorgfalt gut in den Griff, b) kommt in Lautsprechern kaum vor, c) macht Probleme, und genau hier wird die Betrachtung von Klippel wichtig. Le(x, i), BL(x, i) usw. muss man halt im Griff haben. BL konnte man schon vor 30 Jahren gut simulieren (da gab es ziemlich clever vereinfachte Modelle), Le eher weniger. Ich habe hier neulich mal IM-Diagramme gezeigt, Vergleich zwischen 20-30 Jahre alter Konstruktion von Seas, einer modernen mit Sparzwang (keine Demodulation, kein T-förmiger Polkern, aber trotzdem geringes Le), und einer modernen wo ich mich austoben durfte (T-förmiger Polkern, doppelt demoduliert). Die Unterschiede zwischen den ersten beiden waren frappierend, die Verzerrungen des modernen Treibers lagen durchgängig um die 20 dB unter denen vom alten Seas-Modell, das cost-no-object Teil nochmal 10 dB weiter unten. Das sind Welten!
Und da kann die Membran noch so toll sein: wenn der Antrieb nichts taugt, dann nutzt das alles nichts. Denn die Membran selber klirrt nicht (kaum)*. Der Antrieb, der verzerrt.
Deine Story mit dem Popometer ist ja wirklich zu süß, aber was glaubst Du, wie schnell heute so eine Entwicklung geht, weil man alte Erfahrungen mit neuen Simulationen mischt (und dabei manche Erfahrungen als Humbug abtun kann), dadurch entstehen neue Erfahrungen, die sich auf die Ziele der Simulation auswirken, usw. Das ist moderne Entwicklung. Man kann natürlich auch nur auf seinen Instinkt vertrauen, dann dauert es halt entweder deutlich länger, oder es kommt ein suboptimales Ergebnis heraus.
Ich kann bei mir auf der Arbeit auch gegen teilweise 30 Jahre alte Modelle hören (cc @Kaspie). Die sehen nicht mal am Horizont Land gegen die neuen Entwicklungen, und wurden zu ihrer Zeit gekauft wie blöd und in den Himmel gelobt. Selbst 10 Jahre alte Lautsprechern machen sich ganz klein, wenn ich mit den neuen Sachen um die Ecke komme. Und warum? Weil ich die Chassis, die Gehäuse, die Abstrahlung vorher SIMULIEREN und OPTIMIEREN kann, und dann eben vorher wie gut es wird, in einem Bruchteil der Zeit und von Material als früher**. Und Du wirst es nicht glauben: da steckt jede Menge Erfahrung drin, an welchen Schrauben ich drehen muss, und auf was ich verzichten kann, sei es weil es zu teuer wird, oder weil die Hörbarkeit eher fragwürdig ist.
Gib den Görlichen einen ordentlichen Antrieb, dann werden die vielleicht wieder konkurrenzfähig. Ansonsten bleiben sie nur teure Exoten.
* Ausnahme sind Taumelbewegungen der Membran, da entsteht auch erhöhter Klirr. Da kann der Antrieb zwar nichts zu, streng genommen entstehen die aber trotzdem dort.
** Nebenbei konnte ich im Laufe der Zeit einige Altlasten über Bord werfen, die ich lange mitschleppen musste
Auch wenn ich das Thema selber noch nicht ausreichend überblicke ein paar Fragen zu Auswahlkriterien von Chassis:
- Wie viel K2/K3 findet ihr bei der Auswahl von Chassis in Ordnung? Warum? Oder ist der Parameter eher zweitrangig?
- Kurzschlussringe scheinen sinnvoll zu sein - weshalb werden die von ziemlich vielen Herstellern nicht verbaut (Kosten...?)? Ist das für Euch ein Kriterium?
- Sind die zu Chassis in der Regel veröffentlichten Daten ausreichend, derne Qualität zu beurteilen? Falls nicht, weshalb werden so wenig Klippel-Daten veröffentlicht?
- Muss ich selber Messungen durchführen (z.B. IMD), um die Qualität von Chassis ausreichend zu beurteilen? falls ja, welche....?
Ich sehe bei diesem Thema die große Gefahr einer sich im Kreis drehenden Debatte zu 'Mess-Anhänger' vs 'Hören' oder 'früher-war-alles-besser', 'Messungen können eh nict die Qualität eines Chassis erfassen, das muss gehört werden' etc. Klar, macht natürlich Spaß, das zum x-ten Male zu wiederholen - aber ich bitte möglichst am Thema zu bleiben:
- 'an welchen Daten erkenne ich gute Chassis',
- 'sind die i.d.R. veröffentlichten Daten zur Beurteilung der Qualität überhaupt ausreichend'.
- 'was müsste ich messen, um die Qualität eines Chassis gut zu beurteilen'?
Oder vielleicht schreibt ihr, nach welchen Qualitätskriterien ihr Chassis für eire Konstruktionen auswählt.
Grüße,
Christoph
PS: Und kommt gut rüber in's Neue Jahr!
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